ich hatte die patriotismusdebatte erst vor ein paar tagen und komme jetzt mal mit einer ganz wilden these.
ich sehe sonst keinen fußball mehr seit mein damaliger lieblingsverein dortmund an die börse ging und somit seinen sportlichen untergang besiegelte da der sport scheinbar ins hintertreffen geriet. reizt mich jedes e-jugend spiel oder die regionalliga mehr als das “gezocke” in der bundesliga aber em und wm sind pflicht.
die fähnchen haben mich zunächst auch mißtrauisch gemacht aber ich finds mittlerweile gut weil unabhängig von sonsttiger gesinnung die leute einfach mal wieder was haben was sie verbindet. da wird nicht nationalstolz präsentiert sondern für mich gezeigt in einem boot zu sitzen. wenigstens eine sache wo leute unterschiedlichster art plötzlich miteinander können. richtig ging mir dann letztens einer ab als ich autos mit deutschen und türkischen fähnchen gesehen habe. ja - leute - so billig wie es ist aber DAS ist integration. als ich mir in nem türkischen imbiß zigaretten holte während die guten gerade 1:0 hinten lagen habe ich noch zwei tore für die türkei mitbestellt und siehe da - sie fielen - die tore und nicht die türken. was habe ich mich für die türken gefreut. warum?
viele araber behaupteten nach dem 11. september, daß sie schlagartig schief angesehen wurden und wegen der anschläge mit in einen sack gesteckt wurden mit den attentätern. das führte bei unseren arabischen mitbürgern entweder zu einem sinkenden selbstwertgefühl und zunehmender zurückhaltung oder schlug ins gegenteil und zunehmender aggressivität um. dieser absolut belanglose fußball schafft es jedoch, daß türken und deutsche vor nem fernseher hocken und sich gegenseitig die daumen drücken, daß ich geschäfte betrete in denen die deutsche flagge neben der türkischen hängt, daß autos türkisch beflaggt durch berlin fahren und sich nieman daran stößt und angste bekommt vor einem anschlag oder der angeblichen islamisierung europas und genau deshalb finde ich es gut.
noch ne lustige annekdote zum schluß. hupt mich letztens ständig einer von hinten an und macht wilde gesten und ich denke mir schon, was will der penner von mir? als er an mir vorbeifährt zeigt er euphorisch auf mein firmenschild am wagen und winkt. ich lese auf seinem lieferwagen, daß er zu nem italienischen restaurant gehört und mir fällt wieder ein, daß mein firmenschild in den farben der italienischen flagge gehalten ist. war ne spannende selbstreflektion wie aus “dem hupenden penner hinter mir” der fußballbegeisterte mitbürger italienischer herkunft wurde.
@ovid es wurde schon gesagt aber anstelle jeder wirklich kriegerischen handlung nen fußballspiel und die welt wäre um einiges schöner und erträglicher.
@spätzle vor allem hat sich doch eines geändert. wenn man 1943 von “dem deutschen” und deutschem nationalstolz sprach hatte man zwangsweise die größte tötungsmaschine der welt und einen nazi vor augen. heute heißt deutschland - weltoffenheit, toleranz und individualismus. “den deutschen” gibt es also gar nicht mehr sondern nur noch “die deutschen”, die sich noch nicht einmal großartig ähnlich sein müssen in ihrem denken und tun und auf dieses “wir” der unterschiede statt gleichschaltung, denke ich dürfen wir auch ab und zu mal stolz sein ohne dabei überheblich zu werden.
cu, JaM (c)
Beitrag geändert durch JaMmmmh am 19.06.2008, 01:51 Uhr.
« RE: Sa 21.06.08 PLANET WAVE in der Kulturfabrik :o) ab 16.oo live UND eintritt FREI !!! – Gänseblümschen-Orakel *gg »
Copyright berlinerliebe.de