[color:#6600FF]HIV positiv..ein längst vergessenes Thema ..wie ich finde[/color]
Leider ist dieses Thema total in den Hintergegrund geraten!!
Natürlich gibt es Menschen für die es völlig natürlich ist, Safersex zu haben, aber leider gibt es auch viele die sehr leichtfertig mit diesem Thema umgehen.Ich finde es ist ein sehr wichtiges Thema und sollte wieder viel mehr in den Vordergrund gelangen und wieder mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden.
Deshalb hab ich mal 2 Stories aus dem wahren Leben heraus gesucht und hoffe damit wenigstens einen kleinen Denkanstoss zu geben.. Das man beim nächsten Mal vielleicht nich mehr so nachlässig damit umgeht, denn es is nich weit weg sondern genau unter uns, ganz real..
[color:#FF0000]Anonym (Stuttgart )[/color]
Ich bin mit 23 hiv+ geworden. in dieser zeit war es noch ganz neu und ich dachte, es wäre nur reaktionäre und schwulfeindliche us-reagan-propaganda gewesen. ich schützte mich nicht und kriegte es.
meine erste reaktion war aggressiv: den arzt angeschimpft, die schwulen gehasst und in 1 depression gefallen. habe dann weiter ungeschützt gevögelt: je mehr positive, desto grösser die chancen, dass man was dagegen findet.
inzwischen sind 18 jahre vergangen. meine ganze jugend mit dieser schwarzen wolke. und diesem sich-verstecken-und nix-sagen. habe bestimmt ein paar schwestern auf dem gewissen. erwachsene wie ich. selber schuld habe ich gedacht. und musste weiter leben. medikamente schlucken. und bei jedem arztbesuch diesem vampir ein bisschen von meinem blut geben.
jetzt gehe ich selten zum arzt. mag kein blut geben. ich mach medikamenten pausen und fühle mich dabei wohler. und muss immer wieder diese tabletten nehmen. war mal befreundet. jahre. sex wurde schnell weniger: nach der leidenschaft kam die angst des partners und seine unlust deswegen. war mir zu anstrengend. und die sorgenvollen gesichter der nächsten verwandten. war mir auch zuviel. bin gegangen. sehr weit von ihnen. melde mich kaum noch. und lebe weiter. dachte es würde höchstens 1 jahr dauern.
wollte nicht mehr studieren: wozu? mein ehrgeiz ist geschrumpft. lieben würde ich gerne. einen freund. 1mal habe ich es probiert mit 1 positiven. es war die falsche basis. unromantisch wie zwei schiffsbrüchige.
jetzt bin ich allein. seit jahren. mache sport, weil es den immunsystem stärkt und werde dabei attraktiver, mehr sexy. wozu? zum ficken, ja. aber die typen, die damit leben können sind selten. irgendwann mal kriegensie potenzprobleme: sie ficken ungern mit dem tot.
jetzt kommt diese bareback mode. fasziniert mich wie die schlange die maus. wenn ich reinfalle, ist der tot näher. aber sperma, die verbotene sperma, ihr geruch, ihr geschmack, macht mich an: wie eine zigarette, wenn man aufhört zu rauchen. manchmal werde ich müde: es ist sinnlos dieses leben. manchmal habe ich trotzdem wunderschöne glücksaugenblicke. und lebe weiter. und verdammt einsam. und sehne mich nach liebe, nach einem nackten schwanz in mir und nach sperma in mir. und weiss, dass es nicht gut ist. und seltener falle ich rein. gehe den risiko ein und lschlucke. und sehe danach das gesicht des mannes und kann seine gedanken lesen und die ablehnung sich langsam auf dem gesicht zeichnen. es ist kein leben. es ist kein leben krebs zu haben, es ist kein leben vor den bomben zu fliehen. es ist kein leben dauernd angst zu haben. es ist kein leben, den männern, die man liebt, eine bedrohung zu sein.
mein arzt hat mir versprochen, mir das mittel zu geben, wenn ich’s nicht mehr ertragen werde, ein ende zu machen. aber es ist jahre her und ich lebe weiter, obwohl es kein leben ist.
[color:#FF0000]Klaus (Herne) (verstorben 2004)[/color]
Ich bin seit nunmehr über 18 Jahren HIV Infiziert. Wir “alten” Hasen hatten einfach nicht die Chance zu überlegen, ob wir uns schützen oder nicht. Den Großteil der Leute hat es einfach getroffen. Nach so vielen Jahren Umgang mit der Infektion hat sich meine Einstellung zu “safer sex” etwas gewandelt. Wenn ich bis vor einiger Zeit noch streng “safer sex” praktiziert habe, und das selbst in meiner achtjährigen Beziehung, waren die Gründe dafür einfach die, daß ich mich vor weiteren Infektionen schützen wollte.
Und da dachte ich nicht unbediengt an die mittlerweile nachgewiesene Mehrfachinfektion mit HIV. Nein, ich wollte eigentlich gar keine Infektion mehr haben, vor allem keine Syphillis. Ich für meinen Teil werde auch weiterhin darauf achten, daß ich mir nichts einfange; was mein Gegenüber macht ist in erster Linie seine Sache.
Da ich grundsätzlich mit meiner Infektion offen umgehe, weiß auch jeder, der mit mir rumspielt Bescheid. Hier muß ich allerdings meinen vorherigen Satz etwas relativieren, wenn ich mit einem Negativen etwas mache, achte ich auch darauf, daß er sich nicht bei mir anstecken kann. Ich habe einfach kein Bock auf das Gefühl jemanden infiziert zu haben.
Es macht auch heute noch keinen echten Spass, mit der Infektion durchs Leben zu laufen. Ich finde es eigentlich überhaubt nicht lustig, mir Tag für Tag die pure Chemie in Form von Kombi-Medikamenten in den Körper zu schmeissen. Nur wenn ich es nicht mache, krepiere ich noch schneller. Und wenn ich es mache, kiege ich Nebenwirkungen wie Herzinfakt und andere Sauereien!!!
Und es macht auch keinen richtigen Bock, wenn man die Liste mit den Verstorbenen Freunden sieht, die auch heute noch immer länger wird. Ja Leute es wird auch heute noch an AIDS gestorben!!!! Ich will hier jetzt nicht unbedingt als Moralappostel verstanden werden, und wenn jemand für sich eine wirklich durchdachte Entscheidung getroffen hat, dann kann ich das voll und ganz akzeptieren. Nur manchmal habe ich das Gefühl, daß die ganze Sache nicht wirklich durchdacht ist, und das kann nun mal echt ein Schuss nach hinten sein.
IUpdate: Klaus ist im Sommer 2004 verstorben.
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